Schüler der Grund- und Mittelschule Küps erkunden im Rahmen eines „Handwerkertags“ die heimischen Firmen. Es geht um Einblicke und Kontakte, Zukunftsperspektiven und vielleicht ganz unbekannte Stärken. Denn die Praxis kam nicht zu kurz.
Die Schreinerei, die Porzellanfabrik oder das Küchenstudio: Viele der Achtklässler der Grund- und Mittelschule Küps laufen auf ihrem Schulweg oder in ihrer Freizeit an den Hallen und Geschäften der Betriebe vorbei. Zum „Handwerkertag“ der Schule öffneten fünf Betriebe ihre Türen und boten den Mädchen und Jungen echte Einblicke in den Arbeitsalltag dort sowie Ausbildungsmöglichkeiten. Jedes Kind konnte im Vorfeld ein oder zwei Angebote auswählen. So entstanden Kleingruppen, die mit den Mitarbeitenden vor Ort gut ins Gespräch kamen. Denn: Die Neugierde und das Interesse der Schüler waren groß.
Vom Holz bis zum Tablet-Halter
Neben dem Küchenstudio Findeiß, SFT Transporte und Baufirma Mühlherr, die schon seit mehreren Jahren Teil des „Handwerkertags“ sind, war zum ersten Mal auch die Schreinerei Forner Teil des Programms. „Wir freuen uns dabei zu sein und den Schülern zeigen zu können, was unser Handwerk ausmacht und wie Möbel entstehen“, verrät Inhaberin Ulrike Forner. Seit über 75 Jahren werden am Standort in der Bamberger Straße individuelle Möbel für Wohnräume, Küchen, Esszimmer, Bäder und Schlafzimmer gefertigt. Bei einer Führung durch die hauseigene Ausstellung erhielten die Schüler einen ersten Eindruck über die Endprodukte. In der Werkstatt dagegen ging es zunächst um die „Basis“: das Stück Holz. Über verschiedene Holzarten, Verarbeitungsmöglichkeiten und Besonderheiten ging es schließlich „an die Maschine“. Das wohl bekannteste Objekt, das man mit dem Schreiner-Beruf in Verbindung bringt, ist die CNC-Fräse: eine computergesteuerte Werkzeugmaschine, die Material von einem Werkstück abträgt, um präzise und komplexe Formen herzustellen. Dort nahm das Holz für das Schülerprojekt, einen schicken Tablet-Halter, Gestalt an. Um diesen schön weich und glatt zu bekommen, war aber noch viel Schleif- und Glättarbeit notwendig. Das Endergebnis, das die Schüler mit nach Hause nehmen durfen, gefiel allen.
Für Schreinermeister Daniel Friedrich geht es in seinem Beruf auch genau darum: „Dass man am Ende sieht, was man geschaffen hat.“ Doch nicht nur: „Man hat abwechslungsreiche Aufträge, vom Schrank bis zum Bett. Vieles geht mit Maschinen, aber längst nicht alles. Das macht jeden Tag spannend.“
Diese Ansicht teilen auch die Schüler: Leon fand den Tag sehr informativ. „Es hat viel Spaß gemacht, auch, wenn ich meinen Traumberuf schon anderweitig gefunden habe.“ Er bleibt im Handwerk und hat mit dem Berufswunsch „Koch“ lediglich die Branche gewechselt. Sein Kumpel Cedric hat ebenfalls schon andere Pläne, ist aber fasziniert von dem breiten Angebot der Schreinerei.
„Porzelliner“ und Überraschungen
Nur ein paar Häuser weiter in der Lindner Porzellanfabrik schnuppert eine andere Schülergruppe gerade in scheinbar vergangene Zeiten hinein – und doch auch nicht. Zwischen all den Tassen, Vasen und Dekorationsfiguren mit kunstvollen, edlen Verzierungen finden sich auch moderne Stücke. „Wir verkaufen in die ganze Welt“, verrät Inhaber Walter Gössel, der das Geschäft gemeinsam mit seinem Vater führt. „Bis nach Amerika und Dubai.“ Doch bevor das soweit ist, sind viel Arbeitsschritte und vor allem Hände notwendig. Viele Menschen arbeiten hier Hand in Hand – vom Eingießen der Form über das Brennen im Ofen bis hin zur kunstvollen Bemalung, um nur einige Prozesse zu nennen. Dabei beeindrucken vor allem die Zusammensetzung und Robustheit von fertigem Porzellan. Als Walter Gössel eine Tasse mit voller Wucht auf ein Regal aufschlägt, halten viele Schüler die Luft an… doch alles bleibt heil. Auch bei der inoffiziellen Berufsbezeichnung „Porzelliner“ schmunzeln sie.
Während der Führung über das weitläufige Gelände der Porzellanfabrik erfuhr die Gruppe mit Lehrkraft Gabriele Czurda auch viel über die Ausbildungsmöglichkeiten in der Branche, etwa als Industriekeramiker oder als Glas- und Porzellanmaler. „Ich könnte mir das schon vorstellen“, verrät Samira. „Manches war so wie in meiner Vorstellung, aber vieles war auch interessant.“
So scheint das Ziel des diesjährigen Handwerktags voll erfüllt. „Wir bedanken uns bei allen Firmen, die mitgemacht haben und so den Schülern echte Einblicke in verschiedene Handwerksbereiche ermöglicht haben, von Firmen, die vielleicht entlang ihres Schulwegs liegen“, so Schulleiter Michael Schnappauf, der bei allen Firmen mal vorbeischaute. „So sind Kontakte entstanden und vielleicht auch Zukunftsperspektiven in Form der ein oder anderen Ausbildungsmöglichkeit.“
Corinna Tübel
freie Journalistin im Raum Lichtenfels/Kronach
Am Rehbrunnen 11
96215 Lichtenfels